Jahrzehntelang im staubigen Keller eines Einkaufszentrums vergessen – nun kehrt eine verschollene Harry-Bertoia-Skulptur zurück auf die Ausstellungsfläche

Ein bemerkenswertes Werk, das lange als verschollen galt, ist wiedergefunden worden und steht jetzt in einer spektakulären Ausstellung für die Öffentlichkeit. Das skulpturale Werk des US-Künstlers Harry Bertoia aus dem Jahr 1970 trägt den Titel „Unbetitelt“ und zieht im neuen globalen Hauptsitz von General Motors (GM) in Detroit, Michigan, viel Aufmerksamkeit auf sich.
Eine Skulptur mit gewaltiger Präsenz
Die ungewöhnliche Arbeit von Harry Bertoia besteht aus starren Stahldrähten, die in zwei vertikal aufgehängten Gruppen angeordnet sind. Die Skulptur erreicht eine Höhe von 7,92 Metern und hängt über mehrere Stockwerke im siebenstöckigen Atrium des Gebäudes, wodurch sie eine starke visuelle Wirkung entfaltet. Auffällig ist die Technik: Die Stäbe wurden mit geschmolzenem Messing, Bronze und Metalllegierungen überzogen, um die eher organischen Anklänge des Werks zu betonen, wie die Harry Bertoia Foundation beschreibt.
Bertoias Spiel mit Metall und Licht kommt hier gut zur Geltung, besonders da Sonnenlicht durch eine Glaskuppel fällt und das Werk direkt beleuchtet.
Die bewegte Geschichte der Skulptur
Ursprünglich wurde die Skulptur von der J.L. Hudson Company in Auftrag gegeben und sollte im Genesee Valley Mall in Flint, Michigan, gezeigt werden. Dort hing sie bis 1980, als die Anlage wegen Renovierungen geschlossen wurde. Danach wurde die Skulptur in die Northland Mall im Detroit-Vorort Southfield gebracht, aber nie öffentlich ausgestellt. Über Jahrzehnte geriet sie in Vergessenheit und lagerte ungesehen in einem Depot.
Erst 2017 identifizierten Terri Stearn und Jeffrey Lygon, Mitglieder der Southfield Arts Commission, das Werk wieder. Bei der Entdeckung war die Skulptur in einem schlechten Zustand, „ganz verbogen und schmutzig“, wie Celia Bertoia, die Tochter des Künstlers, berichtete.
Die Wiederentdeckung steht zeitlich in Zusammenhang mit der Schließung der Northland Mall im Jahr 2015. Die Stadt Southfield hatte die Anlage für 2.208.000 € erworben, ohne zu wissen, dass die wertvolle Skulptur im Keller lag.
Restaurierung und die neue Ausstellung
Nach der erneuten Identifizierung kaufte General Motors das Werk im April 2024 von der Stadt Southfield für 920.000 €. Die Verbindung zum ursprünglichen Auftraggeber wird durch GMs Pläne verstärkt, den Hauptsitz ins Hudson’s Detroit zu verlegen (an der Stelle, wo früher das Kaufhaus der J.L. Hudson Company stand). Nach einer aufwendigen, mehr als einjährigen Restaurierung zeigt sich die Skulptur jetzt wieder in ihrem früheren Glanz.
Der Aufbau im neuen GM-Hauptsitz verlangte große bauliche Maßnahmen: In die Gebäudeseite wurde eine Öffnung von 4,57 Metern Breite und 22,86 Metern Höhe geschnitten, damit die Skulptur in zwei Teilen mit Kränen hereingebracht werden konnte.
Neue Bühne für Bertoias Werk
Der Umzug von General Motors ins Hudson’s Detroit schafft eine starke Verbindung zur lokalen Geschichte. Bereits 1953 hatte GM Bertoia mit dem „Untitled Wall Screen“ beauftragt, seiner ersten öffentlichen Skulpturinstallation. Dieser frühe Auftrag und die jüngsten Bemühungen um das wiederentdeckte Werk zeigen GMs kontinuierliches Interesse an Bertoias spezieller Bildsprache.
Die Wiederentdeckung und Restaurierung geben der Öffentlichkeit eine seltene Chance, Bertoias Kunst neu zu erleben. GM plant Führungen, damit Bertoias Idee von Kunst, die lebt und gesehen werden soll, auf eindrückliche Weise präsent bleibt. Wie Celia Bertoia sagt, stellt das Werk „etwas dar, das man im Universum finden würde“.